Interview No. 2

07.08.2013

mit Jana Dörfelt

Jana Dörfelt ist Künstlerin und Illustratorin aus Berlin. Seit 2013 sind Unikate von ihr auf Mailetti vertreten.

   

 

 

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Die Kunst ist weder zu mir noch ich zu ihr gekommen. Ich weiß ja gar nicht wo sie wohnt. Wir schreiben uns Briefe. Das macht sie schon ziemlich lange. Vielleicht ja schon seit der ersten Klasse. Da habe ich ihr Vögel geschickt. Manchmal sind unsere Zeilen voll Feuer, manchmal sind sie klebrig wie Kuchenteig. Am liebsten mag ich es, wenn es weiße Flecken darin gibt.



Hast du Arbeiten von dir in deiner Wohnung hängen?

In meiner Wohnung hängen einige meiner Zeichnungen oder Drucke. Das sind solche, die schon vor einer ganzen Weile entstanden sind. Wenn ich sie ansehe, frage ich mich was für ein Mensch das wohl gemacht hat. Ich kann sie ankucken und in der Zeit reisen. Und es gibt auch mindestens eins, dass ich bewundere und heute nie wieder so machen könnte.

 

Welche Künstler bewunderst du?

Würde HC. Artmann noch leben, hätte ich ihn seiner Frau ausgespannt. Das war ein irrer Dichter. Ein Österreicher. Seine Texte haben herrlich viel Verqueres mit unendlichen Verweisen auf alles Mögliche und voller Lebensfreude. Sie sind viermal um die Ecke gedacht, um dich von hinten ins Bein zu beißen.
Bei den Zeichnern ist es Jiri Salamoun. Sein Strich ist kühn und frech.
Außerdem bewundere ich exzessiv produktive Künstler. Da kommt was Tolles bei raus. Da im Produktionswahn der Abfall so groß ist. So ein Künstler beginnt irgendwann auch den Mist zu verwurschteln. Das sind dann die großartigen Werke.
 

 

Was beeinflusst dich, was sind deine Inspirationsquellen?

Hauptsächlich sind das Fragen zum Dasein. Wo ende ich und so was. Also Fragen zum Bewusstsein, zur Wahrnehmung. Ob es eigene Spinnereien, naturwissenschaftliche oder philosophische Quellen sind, ist dabei nicht wichtig.
Dann interessieren mich S-Bahn Geschichten. Wo viele Leute aufeinander treffen, da entstehen die Geschichten oder Bilder.
Außerdem bin ich von den Dadaisten, wie auch Sprachkünstlern begeistert. Sprache ist so ein krückiges Ding. Ich liebe es. Ich möchte es zerstören und dann küssen.


Bitte Beschreibe deine bevorzugte Arbeitsweise.

Erst ankommen. Musik hören. Kritzeln. Dann plötzlich bin ich drin. Wenn das Drin-Gefühl da ist muss ich nichts mehr machen. Das machen meine Hände. Ich seh zu und wundere mich.
 

 

Was ist Kunst?   

Kunst hat zwei Sichtweisen. Die eine ist die des Machenden. Die andere von denen, die sie sehen. Kunst zieht dich in sich rein. Lässt dich mit Fragen stehen. Letztendlich ist sie dafür da, dich und was dich umgibt verstehen zu lernen. Gute Kunst saugt dich ins sich hinein und spuckt dich verändert wieder raus.

 


Wenn du einen Mailetti mit deinen Worten beschrieben solltest, dann …

... sehe ich kleine in Rahmen gefasste Welten.    

 

 

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